Bin jetzt registrierter Alien und kann das sogar beweisen!!! Nun kann ich nicht mehr aus dem Land geschmissen werden, herrliches Gefühl!!! Heute haben wir unsere Alien Registration-Cards abgeholt, wofür wir LEIDER den tollen Unterricht bei Sakamoto schwänzen mussten. Wir saßen in der Mensa mit einer Chinesin aus unserem Kurs und nachdem sie weggegangen ist, meinte Robert "Lasst mal schwänzen!". Hat mich an die gute alte Zeit bei Leinss erinnert "Lasst mal Eis essen!". Naja, Sakamoto wird es verkraften, mal nicht zu erfahren, was wir in der vergangen Woche Tolles erlebt haben.
Aber erst mal zu Donnerstag, da stand ハイキング - Wandern auf dem Programm. Wir sind nach Kyoto gefahren, um den 銀閣寺(Silbernen Tempel) zu bestaunen.
Der ist eigentlich gar nicht aus Silber und war so spektakulär, dass Mercy und ich erst einmal daran vorbeigelaufen sind, ohne ihn entsprechend zu würdigen. Als man uns dann sagte, dass dieser kleine, etwas verdreckt aussehende Tempel der 銀閣寺 ist, haben wir die Huldigungen selbstverständlich umgehend nachgeholt. Die Natur drum herum war dafür umso schöner und ich freue mich darauf, im Winter mit Timo noch einmal dort vorbeizuschauen.
Der Rest unseres Wandertages war mal wieder typisch japanisch, nämlich komplett undurchdacht und unorganisiert. Wir sind mit knurrenden Mägen (inzwischen war es 13:30 Uhr) zur Kyoto-Uni marschiert, um dort zu essen. Anschließend sind wir in ein Museum gegangen, wo wir einiges ueber Affen, Bären, Ameisen und sonstiges Getier gelernt haben und dann wurde uns noch die Ehre zuteil, den Leiter der literaturwissenschaftlichen Fakultät der Kyoto-Uni kennen zu lernen. Der hatte aber nur 5 Minuten Zeit fuer uns (Aaaaaaaaahhhhhhh, warum starten Japaner immer total blödsinnige Aktionen???)
Ein zweiter Tempel, den wir ansehen wollten, hatte schon geschlossen und wir haben uns auf die Suche nach einem Restaurant begeben. Unsere Lehrer hatten natürlich nirgends reserviert. Ist ja auch ein Leichtes, zur Rush Hour mit 20 Leuten irgendwo unterzukommen... Wir haben dann doch noch ausreichend Plätze in einem japanischen Restaurant ergattern können und dann beging unser Oberlehrer Kohsaka seinen entscheidenden Fehler (ist aber typisch japanische Art). Er hat gesagt, wir sollten fuer Essen uns Getränke 1000 Yen bezahlen, den Rest zahlt er. Er weiß offenbar nicht, dass Deutsche in der Lage sind, viel zu essen und noch viiieeel mehr zu trinken... Naja, hinterher ist man immer schlauer. Wie hoch die Rechnung am Ende war, haben und werden wir nie erfahren...
Nach gerade mal fünf Stunden Schlaf hab ich mit Ronja Freitag früh Danny vom Bahnhof abgeholt. War so schön, ihn wiederzusehen. Haben dann erst einmal gefrühstückt und sind anschließend zum Flughafen gefahren, damit Herr Bleck sein Rückflugticket abholen kann. Ging aber nicht und so haben wir viel Zeit verschwendet. Wir sind dann nach 新今宮 aufgerbrochen und Danny und ich sind zusammen Achterbahn gefahren, was Danny unbedingt für das Wochenende geplant hatte. Anschliessend sind wir durch Den Den Town Richtung なんば marschiert, stets auf der Suche nach einem Writing Denshi. Bei Bic Camera wurden wir dann endlich fündig. Es gab aber nur noch zwei und ich habe erst einmal verzichtet. Bevor ich dieses Land verlasse, will ich aber unbedingt auch eins haben. Man kann damit nämlich die Kanjis schreiben und suchen lassen und muss nicht umständlich Striche zählen und sich mit Radikalen befassen. Eine schlaue Erfindung also!
Das Umeda Sky Bulding stand als nächstes auf unserem Programm.
Das 1993 erbaute Gebäude hat eine Höhe von 173 Metern und 40 Stockwerke. Es ist das einzige Gebäude Osakas mit einer Aussichtsplattform im oberen Stockwerk, von dem man einen atemberaubenden Rundblick auf Osaka hat. Es wurde wegen der zahlreichen Erdbeben in der Region schwimmend in einer Ölwanne gelagert. Dort haben wir uns mit Sven, Hiroaki und Miho getroffen.
Anschließend waren wir beim Karaoke, Sven wollte so gerne in einen bestimmten Laden, der sich aber als teuer und wenig spektakulär entpuppte. Naja, einmal und nie wieder!
Zurück im Wohnheim haben wir in Dannys Gästezimmer, welches eher eine riesige Wohnung ist, noch geklönt. Danny und ich haben nebenbei auch noch eine Flasche Baileys geleert. War lecker und schmeckte nach Deutschland. Mal was anderes als diese süssen japanischen Mixgetränke, die wir sonst immer konsumieren.
Am nächsten Morgen sind Danny, Mercy und ich zum Grab vom Kaiser Nintoku marschiert, der nicht weit vom Wohnheim begraben liegt. Der Arme scheint aber die Ruhe zu schätzen, denn man kommt nicht gerade nahe an das Grab heran, eigentlich gar nicht. Also haben wir von der Ferne ein Foto geschossen und sind zurück zum Wohnheim marschiert. (Das Foto ist eine Luftbild-Aufnahme und stammt NICHT von mir.) Diese „Schlüssellochgräber“ sind eine rein japanische Entwicklung. Die oft ausgemalte Grabkammer lag in dem runden Teil, der typischerweise den vorderen, nach Süden oder Westen ausgerichteten, keilförmigen Teil überragt. Die sich nach oben verjüngenden Grabhügel weisen je nach Größe entlang von Höhenlinien meterbreite Absätze auf, die den Kofun verschiedene Stufen geben. Kleinere, einstufige sowie zweistufige Tumuli werden örtlichen und regionalen Würdenträger zugeschrieben, während ab einem dreistufigen von einem Kaisergrab ausgegangen wird. Das größte Kofun, das des Kaisers Nintoku, wurde mit sieben Stufen erbaut.
Sven und Ronja sind dort zu uns gestoßen. Während Ronja damit beschäftigt war, Danny die Haare kurz zu raspeln, wollte ich Pfannkuchen machen, was sich aber als unmögliches Unterfangen herausgestellt hat. Unsere Pfanne ist ungeeignet und der Gasherd ebenfalls. Auch Kaiserschmarn konnten wir daraus nicht zaubern, also mussten wir die vielen gekauften und schon aufgeschlagenenen Eier zu Rührei verarbeiten.
Wir waren noch bowlen und auch noch kurz im Game Center (irgendwie ist das nicht mehr so toll wie am Anfang).
Sven und Ronja waren so scharf auf so einen Laden, in dem man gebrauchte Bücher zu Spottpreisen kaufen kann und so haben wir den Abend damit verbra(u)cht, zwei solcher Book-Off-Läden zu finden. Ging aber nicht. Zum einen hatte Sven keine Wegbeschreibung und seine Handy-Navigationsfunktion war für`n A...
Total kaputt sind wir zurück ins Wohnheim, wo Danny noch eine Weile an meinem Mac herumgebastelt hat und meine vielen macbezogenen Fragen geduldig beantwortet hat.
Sonntag haben wir es uns mal gegönnt, etwas länger zu schlafen. Nach dem Frühstück sind wir zum Uni-Fest gefahren, waren aber von den vielen herumbrüllenden japanischen Studenten schnell genervt und haben für unser Mittagessen eingekauft. Unsere Spaghetti Bolognese waren nicht gerade der Hit, viel zu süß (Warum schmeckt in Japan ALLES süß?).
Dann sind wir zum Bahnhof gefahren, haben Dannys Sachen in einem Schließfach verstaut und sind shoppen gegangen. Habe endlich mal おみやげ (Mitbringsel) kaufen können. Ihr kennt mich ja, kann so etwas ja nicht am Ende meines Aufenthaltes machen, sondern lieber gleich (Weihnachtsgeschenke im Sommer zu kaufen ist cool!)
Um 22 Uhr mussten wir uns dann von Danny verabschieden. War voll doof, aber hoffentlich können Ronja und ich ihn in zwei Wochen in Hiroshima besuchen.